Fütterung von Hochleistungspferden mit Alleinfutterbriketts

Eugen Haab, CAVALLINO AG, Aamühle, 8820 Wädenswil, Tel. 044/781 33 82

EINLEITUNG

Das Wild- oder Urpferd hat sich mit energiearmer Nahrung der offenen Graslandschaft ernährt. Bei einem Bedarf von ca. 50-60 MJ verdaulicher Energie im Erhaltungsstoffwechsel war dies auch ohne Probleme möglich. Nach der Domestizierung wurden die Pferde über Jahrhunderte auf Leistung selektioniert und gezüchtet. Bei den heutigen Hochleistungspferden im Training oder während der Rennsaison werden täglich ca. 120 MJ verd. Energie benötigt.
Dieser Mehrbedarf kann nicht mehr nur durch Rauhfutter, sondern muss mit energiereichen, stärkehaltigen Futtermitteln abgedeckt werden. Da der Verdauungsapparat der Pferde nach wie vor zur Verdauung von Rauhfutter ausgebildet ist, kann es durch die Fütterung von hohen Kraftfuttermengen und durch die schnelle Aufnahme des Krippenfutters zu Fehlgärungen im Dünndarm und zu Blähungen und Koliken im Dickdarm kommen.
Hochleistungspferde benötigen viel Energie, sollten aber auch ein strukturreiches Futter mit niedriger Energiedichte erhalten, um Verdauungsstörungen zu vermeiden. – Ein Widerspruch !
Durch die gleichzeitige Aufnahme von Heu, lang gehäckselt, Kraftfutter und den Wirk- und Zusatzstoffen, wird die Energiedichte gleichmässig auf die ganze Futterration verteilt und dem Bedürfnis der Pferdeverdauung angepasst.

HERSTELLUNGSVERFAHREN

Das Heu wird mit einem Scheibenhäcksler (kein Schredder) auf ca. 5 cm Länge gehäckselt, danach entstaubt und via Schwergutabscheider von Erde, Steinen, Sand, Holz usw. gereinigt. Nach diesem Prozess wird das Heu nochmals entstaubt und unter gleichzeitiger Zuführung von Kraftfutter und Melasse brikettiert.
Beim Brikettierungsprozess werden die Rohstoffe unter hohen Druck in eine Matrize gedrückt, ohne dass dabei die Heustruktur zerstört wird. Durch den Druck und die Reibung erwärmen sich die Briketts auf ca. 40° C. Durch die folgende, leichte Fermentation in der Verpackung werden Aromastoffe freigesetzt und gebildet, was zur ausgezeichneten Akzeptanz des Alleinfutters beiträgt. Gute Akzeptanz ist die Voraussetzung für ein gutes Futter.

STEIGERUNG DER VERDAULICHKEIT

Durch die Brikettierung werden Nährstoffe aufgeschlossen. Rauh- und Kraftfutter werden gemeinsam und nicht konsekutiv aufgenommen. Das Kraftfutter verbunden mit Heu muss zwangsweise länger gekaut und eingespeichelt werden und daraus resultieren längere Verweilzeiten im Magen und Dünndarm. Somit werden die Nährstoffe besser verdaut. Der erhöhte Speichelfluss und der niedere pH-Wert im Magen dürften zu einer erhöhten Mineralstoffabsorption beitragen. Die Alleinfutterbriketts versorgen den Verdauungsapparat langsam mit gleichmässig zusammengesetzten Nährstoffen (keine hastige Futteraufnahme möglich). Dies bewirkt eine gleichmässige Darmflora, was die aktivierte bakterielle Verdauung beeinflusst, wodurch kurzkettige Fettsäuren gebildet werden, welche wiederum dem Pferd als Energie zur Verfügung stehen. Die vom Pferd mit dem Kraftfutter gekauten Heuteile bewirken nicht nur eine ideale Darmflora und einen gewünschten tieferen pH-Wert, sondern können durch ihre grosse Oberfläche und starken hygroskopischen Eigenschaften grosse Wassermengen im Verdauungskanal des Pferdes binden.
Die Wasservorräte sind vor allem für Hochleistungspferde durch die leistungsbedingten hohen Wasserverluste ausserordentlich wichtig. Daher sollte der Heuanteil von 0,8 - 1,2 kg pro 100 kg/LM (Lebendmasse) pro Tag nicht unterschritten werden. Durch die gute Akzeptanz können wir den Briketts problemlos wertvolle Substanzen und Rohstoffe beifügen, welche sonst bei der Futteraufnahme Probleme ergeben.

ERGÄNZUNG MIT PFLANZENOEL

Um die Energieaufnahme nochmals um 25-30 MJ verdauliche Energie pro Tag zu erhöhen, hat sich die Beimischung von bis zu 7% Pflanzenöl zu den Briketts bewährt. Mit einer Tagesration von 10 kg Briketts mit 10,8 MJ/kg verd. Energie, unter Zusatz von 7% Pflanzenöl, wird das Pferd täglich mit 133 MJ verd. Energie versorgt. Damit ist der Energiebedarf für schwere Arbeit abgedeckt. Zusätzlich zur hohen Energieversorgung resultiert ein günstiges Verhältnis von verd. Rohprotein zu verd. Energie von 5,7g verd. Rohprotein pro MJ verd. Energie. 
Im weiteren wird ein günstiges Futtervolumen von 10,7 kg Frischmasse erreicht, dies bei einem Heuanteil von 4,6 kg. Zur Angewöhnung (Akzeptanz) den Briketts im Futterkübel 3-4% Oel zugeben und dann innerhalb einer Woche bis auf 7% steigern. Das Oel soll gleichmässig auf die täglichen Rationen verteilt werden. Pflanzliche Oele wie Soja-, Sonnenblumen- oder Raps-Oel sind tierischen Fetten vorzuziehen (Verdaulichkeit, ungesättigte Fettsäuren). Hat sich das Pferd an eine Oelsorte gewöhnt, sollte man dabei bleiben (Akzeptanz). Die Oelverabreichung soll 3 Wochen vor einem Wettkampf begonnen werden, damit die Pferde genügend Energie speichern können. Nach dem Wettkampf und Training soll das Oel abgesetzt und die Futterration der täglichen Arbeitsleistung angepasst werden.
Mit der Oel-Brikettfütterung konnten auch „schwerfütterige" Pferde (schlechte Futterverwerter), welche bei reichlicher Getreide-Mischfutter- und Heuaufnahme untergewichtig bleiben, auf das gewünschte Gewicht und ein ästhetisches Aussehen aufgefüttert werden.

STAUB

Die absolute Staubfreiheit der Alleinfutterbriketts verhindert eine Leistungsminderung durch Heustaubbelastung beim Hochleistungspferd. Heustauballergische Pferde können bei einer frühzeitigen, konsequent staubfreien Fütterung und Haltung auf ihren ursprünglichen Leistungsstand zurückgebracht werden. – Vorbeugen ist besser als heilen ! –

Oktober 08/EH/eb

 

 

 

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